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Historie
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Die Villa & ihre Geschichte

Villa - damals und heute

Seit 1986 ist in der Villa das heutige Familien- und Gesundheitszentrum zu Hause.

Am Anfang war das zuletzt ehemalige Kinderheim in einem bedauernswerten Zustand und es kostete viel Mut, die Renovierung in Angriff zu nehmen. Aber es hat sich gelohnt, denn bis heute ist ein modernes Haus daraus gewachsen, an dem zwar ständig weiter gearbeitet werden muss, das dafür aber auch ein unvergleichliches Ambiente bietet...

Einen umfassenden Eindruck der bewegten Geschichte vor dem Einzug der Bildungsstätte vermittelt der folgende Auszug aus Heinz Pfälzers Buch „Wingertspöhl un Pietschtuffele“, Geschichte und Geschichten um Rommersdorf-Bondorf.
(Hrsg. v. Rommersdorf-Bondorfer Bürgerverein, Bad Honnef 1980)

»Als ein Wahrzeichen von Rommersdorf kann man die in einem herrlichen Park gelegene "Villa Schaaffhausen" bezeichnen; einmal der interessanten Bauweise wegen und zum anderen der Menschen wegen, die hier im Laufe von Jahrhunderten ein- und ausgingen und dem Hause ein Ansehen verschafften, das seinesgleichen in Honnef sucht.
Aus zwei Land- und Weingütern ist die Besitzung entstanden. Das obere Gut, dessen Flurname "Auff'm Rech" lautet, gehörte einer Familie von Hagen, das untere, welches später als Gärtnerwohnung diente, einer Familie von Franken. 1770 kaufte der kurfürstlich-kölnische Prokurator und kaiserliche Notar Peter Gottschalk Wasserfall die beiden Güter. 1772 ließ dieser etwa an der Stelle, wo sich heute im großen Park der Steintisch befindet, die Überreste eines massiven Turmes wegsprengen, der vermutlich von einer Burg oder einem Gerichtsgebäude stammte (daher Flurname: "Auff'm Rech"?). Dagegen spricht allerdings, dass man früher "Auff'm Regh" ... Auff'm Rech" einen "Abhang" bezeichnete und nichts mit Recht und Gericht zu tun hatte.

1818 kam das Gut an den Kölner Buchhändler Lambert Bachem. Etliche Jahre wohnte der hannoveranische Oberst v. Zulke als Mieter auf dem Gut. Von 1825 bis 1836 lebte der Engländer William Dawson (ein Schwiegersohn des Herzogs von Wellington, des Siegers von Waterloo) in diesem Haus. Auch der Herzog selbst weilte für einige Zeit dort (1836). Als er eines Tages im Garten spazieren ging, kam plötzlich ein Mann, ärmlich in der Kluft eines Handwerkers gekleidet, doch mit strahlenden Augen auf ihn zu, packte ihn an den Händen und sagte fest und bestimmt: "Sie sind doch der Herzog von Wellington!" Beide erkannten sich auf Anhieb wieder. Es war der Maurer Nilles aus Honnef, Kampfgenosse des Herzogs in der Schlacht von Waterloo am 18. Juli 1815. Nach über 20 Jahren fand hier in der Villa Schaaffhausen ein freudiges Wiedersehen statt.

1841 erwarb der englische Seekapitän Lewis Agassiz die Villa von der Familie Lambert Bachem für 10966 Taler. Er errichtete 1843/44 den nördlichen Teil des Wohnhauses im sogenannten Tudorstil. Am 26. Mai 1846 ging das 54 Morgen, 54 Ruthen, 5 Fuß große Gut für 18000 Taler in den Besitz von Hubert Schaaffhausen aus Koblenz über. 1847 ließ dieser eine Wasserleitung vom Annatal her anlegen, die in der heutigen "Römerquelle" endet.

Als Hubert Schaaffhausen starb (88 Jahre alt), kam sein Sohn Hermann, der spätere Geheime Medizinalrat und Bonner Universitätsprofessor, in den Besitz des Hauses. Er ließ den Turm mit dem Löweneingang an der Nordseite anbringen. Nach ihm wurde auch die an der Villa vorbeiführende Straße benannt; während die Verlängerung (das von ihm erschlossene Annatal) den Namen seiner Mutter Anna geb. Lorenz führt. Hermann Schaaffhausen war ein hervorragender akademischer Lehrer, Arzt und Forscher, dessen Name mit der Entdeckung des sogenannten "Neandertalers" verknüpft ist. Vielen gemeinnützigen Bestrebungen schenkte er sein Interesse, vor allem aber seiner rheinischen Heimat.
Vor der Jahrhundertwende erlebte das Haus seine Glanzzeit. Geistliche vom Kaplan bis zum kanadischen Erzbischof und Kölner Kardinal, Militärs vom einfachen Leutnant bis zum Generalfeldmarschall (Herwarth von Bittenfeld), Erbherzog Paul von Mecklenburg, die Herzöge Georg von Oldenburg, Günther von Schleswig-Holstein, Johann-Albrecht von Mecklenburg sowie zahlreiche Prinzen, finden wir im Gästebuch des Hauses verzeichnet.

Japanische Fürsten

Auch Kronprinz Wilhelm von Preußen (1888) als Bonner Student (später Kaiser Wilhelm II.) trug sich ins Gästebuch ein. Der berühmte Berliner Mediziner Rudolf Virchow sowie die japanischen Fürsten Atsemaro Konoye, Jaick Shinogawa und Hideo Ikada verlebten hier ungetrübte Tage. Der rumänischen Königin Elisabeth, einer geborenen Fürstin zu Wied, die unter dem Dichternamen "Carmen Sylvia" bekannt ist, sowie König Oskar II. und der schwedischen Königin Sophie diente das Haus als Wohnung.
Hier spiegelt sich ein Stück rheinischer Kulturgeschichte aus wilhelminischer Zeit wider. Das Kaiserzimmer (Blauer Salon), in dem der spätere deutsche Kaiser wohnte, blieb noch lange Jahre erhalten. Sein Bett trug am Fußende aus Bronze gearbeitet die Krone, das große "W" und das Datum. Im Turm befand sich eine Hauskapelle mit alten, wunderschönen Glasfenstern aus der kurfürstlichen Burg zu Koblenz, mit den Bildnissen der hl. Anna, sowie der Heiligen Petrus und Paulus.
Seit 1926 gehört die Besitzung dem erzbischöflichen Stuhle zu Köln. Vor einigen Jahren wurde in der Villa ein Kinderheim eingerichtet. Das Haus empfing auch den Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Heinrich Lübke mit seiner Gattin Wilhelmine, in seinen Mauern. Heute steht im nördlichen Teil des Gartens ein großes modernes Altersheim der Kath. Pfarrgemeinde Bad Honnef. - Ein Stück Rommersdorf - ein Stück Geschichte.

Der Kronprinz und das "Blaue Zimmer"

In seiner Jugendzeit als Kronprinz war er oftmals zu Gast in unserem schönen Ort. Von Bonn aus, wo er studierte, bot ihm Geheimrat Schaaffhausen sein großes Haus im Park als Bleibe an. Der spätere Kaiser Wilhelm II. verbrachte gerne seine Zeit in dieser ländlichen Gegend. Er fand den Geheimrat und dessen Schwestern Maria und Elisabeth sehr nett, liebte Spaziergänge im gepflegten Park der Villa und in den Wäldern des nahen Siebengebirges.
Als Wohnung stellte man ihm auf Schaaffhausen das "Blaue Zimmer" zur Verfügung. Es blieb immer für den Kronprinz reserviert. Er war ein stets willkommener Freund, der mit dem Geheimrat oft lange "Schwätzchen" hielt. Das Annatal hatte es dem hohen Gast ganz besonders angetan. Man sah ihn zu Fuß ins Tal gehen, vorneweg der Gärtner von Schaaffhausen, der den Weg von Ästen und Unrat frei fegte. 1876 pflanzte er die "Kaisereiche", die vor vier Jahren auf ihren hundertsten Pflanztag zurückschauen konnte.
Zu erwähnen sind auch die Kaisermanöver (1911), wo Ulanen, Kürassiere und Infanterie sich "ernsthafte Gefechte" in der hiesigen Gegend lieferten, und auch Geselligkeiten abends gepflegt wurden. Die entstandenen Flurschäden wurden vom Staat ersetzt. Eine Kastanien-Allee führte vom heutigen Richweg zur Villa Schaaffhausen. Im Pavillon unter schönen Bäumen fanden Unterhaltung und Konzerte statt.

Die Königin kam per Dreirad

Oftmals verbrachte die Königin von Schweden ihre Ferien in Honnef. Während der Jahre 1892 bis 1906. Sie bewohnte während ihres Aufenthaltes private Besitzungen, z. B. die Villa Berg (obere Hauptstraße) die Villa Brink und für uns besonders interessant die Villa Schaaffhausen, Domizil von Geheimrat Schaaffhausen.
Sie wohnte stets einige Monate hier, lernte Land und Leute kennen und fühlte sich wohl. In dieser Zeit bekam die Bevölkerung diesen prominenten Gast oft aus der Nähe zu sehen, wenn sie auf einem Dreirad durch die Straßen fuhr, in Begleitung des Kammerherrn Graf von Wrangel, den Hofdamen Fräulein Buil und Fräulein Stjerncrona im Kurgarten an den Konzerten der 24 Mann starken Kurkapelle teilnahm; oder aber zu früher Morgenstunde auf einem Maulesel durch unser idyllisches Rommersdorf ritt, hinein ins Annatal bis zum heutigen "Köbesse" (Ecke Tretschbachtal) und über die Bondorfer Straße wieder zurück.
So erlebte auch der Kliesings Jöhännes an einem schönen Sonntagmorgen die Königin. Eine schlichte, liebenswürdige Frau, die sich gerne mit den Leuten unterhielt. Et Jöhännesje (7 bis 8 Jahre alt) stand am Möschbachufer. Die Hände spielten in der frisch aufgeputzten Hose, die ein Flickschneider ihm als Sonntagsausgehhose zurecht gemacht hatte. Sie war zu weit und auch viel zu lang, und das störte den Jöhännes doch sehr, aber seine Mutter hatte extra darauf geachtet, das die Hose groß genug gemacht wurde, denn man konnte nicht alle halbe Jahre ein neues Kleidungsstück anfertigen lassen. Man musste in sie hineinwachsen! Obwohl der Stoff bereits jahrelang den Hinterteil seines Vaters bedeckt hatte, musste er noch lange den gleichen Dienst tun, nur in bescheidenerem Maße.

"Hier, kleiner Mann..."

So mit sich selbst und eben dieser Hose beschäftigt, merkte er erst spät, was da auf ihn zukam: Seine Majestät die Königin auf einem Maulesel. Sie trug ein Kleid, silbergrau mit kurzer Schleppe, Mantille mit breiter Schleife und einen Kapotthut mit weißem Schleier, der ihr diskret ein wenig über das feine Gesicht fiel. Dem Jöhännes gefiel aber der schöne Esel mit dem gepflegten Sattel und dem geputzten Lederzeug viel besser. Ein Page hatte das Grautier an der Leine.
Die Königin schaute umher, bis ihr Blick am kleinen Jöhännes haften blieb. Der aber wiederum schnupperte mit der nichtgeputzten Nase den Eselsgeruch und das feine Parfüm der schönen Frau ein. "Hier, kleiner Mann, willst Du mich mal führen?" - Jöhännes ganz verdattert, wurde rot bis hinter seinen Wuschelkopf; er wischte sich mit dem Handrücken seine Rotznase ab, und sah ganz erbärmlich drein. "Komm, komm, führ meinen Esel!" hörte er die Königin sagen. Dem Befehl gehorchend, nahm er die Zügel und tippelte drauflos. Der Esel mit der Königin folgte.
Bei jedem Schritt schwoll dem Jöhännes die kleine Brust mehr an. Tief verbeugten sich die Rommersdorfer, die der Königin zugrüßten, warfen auch einen bewundernden Blick auf den Sproß des alten Kliesings Pitte, der, stolz wie Oskar, durch die Gassen von Rommersdorf tippelte und die Königin wohlbehalten wieder an der Villa Schaaffhausen ablieferte. Ein Beutel mit Süßigkeiten war der Dank. Hännes heute: "Ich han gemeint, ich wöe im Himmel!"

"Daach Frau Könijin"

Eine andere Anekdote schildert noch die Art, wie die Königin das Rheinische verstand: Et Römmelekovve Jriet, die hier mit selbstgezogenem Gemüse handelte, begegnete der Königin, als diese im Park spazieren ging. Et Jriet ging auf die Königin zu, gab ihr die Hand und sagte: "Daach, Frau Könijin". Die fragte erfreut: "Wer sind Sie denn, gute Frau?" - "Ich sin die Witfrau Römmlekovve un hab lhne wat Jemüs jebracht". - Das weitere war höchst belustigend, denn auf die Erwiderung der Königin: "So, Sie sind also Witwe, dann ist Ihr Man gestorben?" sagte et Jriet: "Nä, dä hätt sich kapott jesoffe!" Das alles klingt etwas fremd, doch muss man wissen, dass die Königin eine geborene Prinzessin zu Wied war und die rheinische Art verstand.«

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